Geschichte

Der Weltwald Freising ist ein vergleichsweise junges Projekt.  Seine  Gründung im Jahr 1977 hängt zusammen mit dem Aufbau des Wissenschafts- und Forschungscampus Weihenstephan. Die Standortsentscheidung fiel nicht schwer, denn schon damals gab es im nahe gelegenen Kranzberger Forst eine Waldabteilung mit auffallend vielen Baumarten aus fernen Ländern.

Bei dem etwa 100 ha großen Areal handelt es sich um die ehemalige Ortsflur des Weilers Oberberghausen. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der bäuerliche Grundbesitz vom königlich-bayerischen Forstärar erworben  und wenig später aufgeforstet worden. Dabei verwendete man auch verschiedene "exotische Holzarten". Sie bereichern heute die Sammlung mit wertvollen Altbäumen. Als letzter Zeuge der einstigen Dorfkultur ist die Kirche St. Clemens, umgeben von einem kleinen Friedhof, erhalten geblieben.

Ortsflur von Oberberghausen - 1860

Oberberghausen bestand aus vier Gehöften, dem Mair-, dem Ochsenhans-, dem Kellhamer- und dem Mesner-Hof. Die Dorfkirche St. Clemens stammt aus dem zehnten Jahrhundert und war ursprünglich ein Geschenk des Freisinger Bischofs Abraham an das Kanonikerstift Weihenstephan. Der Erwerb der landwirtschaftlichen Flächen im Jahr 1883 durch die staatliche Forstverwaltung hatte zum Ziel ein Großprojekt namens "Weidenbusch" aufzuziehen.

Zunächst richtete man unter Mitwirkung der LMU München einen Anschauungs- und Versuchsgarten (Salicetum) ein. Auf großer Fläche wurden daneben Weidenkulturen angepflanzt, um die Korbflechterei im Raum Freising mit Rohstoff zu versorgen.

Am 24.02.1884 berichtet das Freisinger Tagblatt:Besagtes Weidenvarietätenfeld ist ein Curiosum ersten Ranges; angelegt von Universitätsprofessor Dr. Gustav Hartig, einer Celebrität auf dem Gebiete der Forstwissenschaft… Man weiß, dass außer diesem mehr der Wissenschaft dienenden Feldgebiete ringsum Weidenkulturen sich ausbreiten, die volkswirtschaftlichem Interesse zu dienen bestimmt sind… Hiesige forstliche Oberleitung, die schon Mannigfaches und Gediegenes im Dienste einer rationellen und wissenschaftlichen Kultur geschaffen, und im ganzen Bayernlande höchstes Ansehen genießt, hat auch hier ihren edlen Bestimmungen ein schönes Denkmal gesetzt“.

Für kurze Zeit waren die Weidenanbauten ein Anziehungspunkt für Forstleute aus aller Welt. Es wurden Wirtschaftsgebäude errichtet, Unterkunfts- und Verpflegungsstätten geschaffen. Der Ertrag blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück und die anfängliche Euphorie verflog rasch. Deshalb forstete man die Flächen ab 1900 schrittweise, vorwiegend mit Fichte, auf. Ausgespart wurden dabei mehrere kleine Wiesentälchen die dem Arboretum heute einen parkähnlichen Charakter verleihen.

Ein zweites Standbein neben dem Weidenanbau bildete die Anzucht von exotischen Baumarten.

1972 erinnert sich der Zeitzeuge Ludwig Näßl:Es war die Zeit der Versuche mit ausländischen Holzarten im heimischen Wald. Dabei erwies sich, dass sich viele dieser Exoten vorzüglich auch für Park- und Zierpflanzen eigneten. Man legte eigene Gärten an und fand reißenden Absatz noch bis in die Jahre nach dem ersten Weltkrieg.“

Aus dieser Zeit stammen die Altexoten um die Oberberghauser Kirche: Douglasie, Rot-Eiche, Nordmann-Tanne, Weymouths-Kiefer, Gelb-Kiefer, Amerikanischer Tulpenbaum u.a.

Die Gebäude von Oberberghausen wurden Zug um Zug in den Jahren zwischen 1884 und 1899 abgebrochen. Heute existieren nur noch der Brunnenschacht und das Backhaus des Mesneranwesens in Form eines Kellergewölbes. Auch die mittlerweile baufällige Dorfkirche St. Clemens hätte, mit Zustimmung des kirchlichen Ordinariats, 1903 abgerissen werden sollen. Dies konnte jedoch durch das Engagement des Freisinger Lehrers Georg Klebel (1852-1943) verhindert werden. Unter großen Mühen wurde die Kirche wieder restauriert und ist heute, im Zentrum des Weltwaldes gelegen, ein viel besuchtes Ausflugsziel. Das sogenannte Waldhüterhaus wurde 1905 aus baulichen Resten des Kellhamerhofes neu errichtet.

Oberberghausen 1896/1897: rechts im Bild ist der Kellhammerhof erkennbar. Um diese Zeit war der unterhalb der Kirche gelegene Meßnerhof bereits abgerissen.
Oberberghausen 1896/1897: rechts im Bild ist der Kellhammerhof erkennbar. Um diese Zeit war der unterhalb der Kirche gelegene Meßnerhof bereits abgerissen.

 

Die Umgebung des Waldkirchleins ist für die Bevölkerung nicht erst seit dem bekannten Essay von Josef Hofmiller "Das Idyll Oberberghausen" (1915) ein besonderer, mythenumrankter Ort.

Der Heimatkundler Wolter v. Egan-Krieger resümiert 1985:Oberberghausen – was ist das für ein Ort? Welche Faszination geht von diesem Platz aus? Wie ist zu erklären, dass ein Dorf, das vor hundert Jahren starb, nach wie vor die Gemüter der Menschen bewegt? Es ist ein Ort voller Widersprüche… Der größte Widerspruch aber ist:  „Oberberghausen lebt erst, seit es gestorben ist.“